Virtual Walk through "ELVIRA BACH - Die andere Eva. 1979 bis heute"

22 Jun – 14 Aug 2021
Am 22. Juni feiert Elvira Bach ihren siebzigsten Geburtstag: Zeit für einen würdigenden Rückblick auf über vierzig Jahre ihres malerischen Schaffens! 

Mit einem Grußwort von Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, wurde die Ausstellung am 24. Juni 2021 eröffnet. 

Live-Stream über Instagram & Facebook

Die Ausstellung wird im Rahmen des Förderprogramms Neustart Kultur der Deutschen Bundesregierung gezeigt. 
 

Die Ausstellung Die andere Eva versammelt viele Bilder seit 1979, die einen besonderen Stellenwert für die Künstlerin einnehmen und die sie deshalb nie verkaufen wollte. In den 70er Jahren hatte Elvira Bach zur gleichen Zeit wie Rainer Fetting und Salomé an der UDK Berlin Malerei studiert (anders als diese jedoch nicht bei Karl Horst Hödicke, sondern bei Hann Trier) und sich wie diese in einer Rückbesinnung auf den deutschen Expressionismus einer figurativen, von starken Farben und Gesten geprägten großformatigen Malerei zugewandt. Auch für sie kam der internationale Durchbruch 1982 bei der documenta 7 in Kassel. Doch obwohl sie zum Umfeld der "Moritzboys" gehörte, ging sie mit ihrer intuitiven, emotionalen Malerei, ihren klar umrissenen Formen, starken Farbflächen und der von ihrer eigenen Lebenserfahrung als Frau geprägten Themenwahl schnell ihren unverkennbar eigenen Weg, dem sie bis heute treu geblieben ist. 

Das Titelbild der Ausstellung, Die andere Eva, steht programmatisch für einen wesentlichen Aspekt ihres gesamten Oeuvres: dies ist nicht die biblische Eva, aus einer Rippe Adams geformt und dem Mann untertan und durch die Schlange zum Sündenfall geführt. Die in fast allen Bildern erscheinenden Frauengestalten verkörpern vielmehr ein neues Frauenbild, welches die weibliche Selbstbestimmtheit, Kraft und erotische Ausstrahlung in all den unterschiedlichen Rollen, die sie einnimmt, vorbehaltlos feiert. Der autobiografische Bezug dieser Frauengestalten, die sich parallel zu den unterschiedlichen Stadien ihres Lebens wandeln – junge Künstlerin im hedonistischen Berlin der 1970er und 80er Jahre, Stipendiatin in der Dominikanischen Republik (1982), Aufenthalte in Afrika (1986-92), Ehe mit ihrem senegalesischen Mann, Geburt ihrer beiden Söhne (1984 und 1992) – ist offensichtlich. Gemeinsam ist ihnen die Suche nach einem Freiraum im Jonglieren mit den verschiedenen Aufgaben, Rollen und Wünschen der Frau als Künstlerin und Mutter in der Gesellschaft. Zwischen Elvira Bachs Leben und Kunst gibt es keine echte Trennlinie: vielleicht muss man ihr Atelier oder, noch besser, ihre Wohnung gesehen haben, um zu verstehen, dass Leben und Kunst hier nahtlos ineinander übergehen, dass die Bilder im Grunde nur ein Teil eines umfassenderen Projektes sind, das Elvira Bach heißt. Ob diese Frauengestalten, mit ihren abstrahierten Gesichtern, breiten Schultern und großen, kräftigen Händen, die zupacken, gestalten und handwerklich schaffen können, nackt oder in farbigen Gewändern, mit oder ohne Schmuck und Schminke, stets mit den Füßen in Form hockhakiger Damenschuhe, mit Weinglas und Zigarette alleine an der Bar stehen, als Küchendiven Töpfe und Schneidemesser handhaben, Kinder in den Armen, auf dem Rücken oder auf dem Kopf tragen, in exotischer Umgebung tanzen – all dies sind Facetten des authentisch gelebten Lebens der Künstlerin, die in Farben, Formen, Symbolik und Komposition auf die Leinwand übertragen werden. Umgekehrt erscheint die Künstlerin, selbst eine auffällige Gestalt in ihren gepunkteten oder gemusterten Gewändern und auftürmenden Turbanen, die unvermeidliche Zigarette in der Hand, wie diesen Bildern entstiegen.

Bachs Bilder sind bevölkert von immer wiederkehrenden Elementen und Symbolen, welche die zentrale Frauengestalt schmücken und umgeben: Schlangen, Katzen, Herzen, Anker, Kreuze, große, fleischige Blüten, Erdbeeren, Malerpinsel, Spielkarten, gestapelten Pfannen und Kochtöpfe, die starken Farben, vor allem das Rot. Die Gestalt selbst ist gekennzeichnet durch eine Vielfalt weiblicher Signale – Ohrringe, Lippenstift, Mode, die hochhakigen Schuhfüße, vor allem aber auch die ausgefallenen Kopfbedeckungen, in der alle der oben genannten Symbole irgendwann auftauchen, einschließlich üppiger Blütengestecke und sprießender Bäume, Schuhe und Weingläser, Schlangen und Kleinkinder, als trage sie all dies auf afrikanische Weise auf ihrem Kopf, oder als sei all dies fertig geformt ihrem Kopfe entsprungen. Die erotisch-sinnliche Bedeutung einiger dieser Symbole ist offenkundig, trotzdem bleiben sie mehrdeutig und nicht festgelegt: die immer wiederkehrende Schlange kann für Eros und Lebenskraft  stehen, aber auch für Heilung, Verführung und vor allem Wandlung. Bei aller Kontinuität in Bachs Gemälden können die Elemente der Wandlung, der immer wieder neuen Zusammenstellung bekannter Elemente, der immer wieder neu definierten Vielzahl unterschiedlicher Rollen, und der unbändigen Lebens- und Schaffenskraft als die entscheidenden Merkmale ihres Werkes ausgemacht werden: Elvira Bach ist alle diese Rollen, Farben und Facetten, ihre umfassende Persönlichkeit hält sie in ihren Widersprüchen und Konflikten zusammen, ohne dass diese kreativen Gegensätze aufgelöst werden müssen. Wir wünschen Elvira noch viele weitere produktive und erfüllte Jahre!