Winter Setting 2019/20

30 Nov 2019 – 15 Feb 2020
Eine Ausstellung mit Künstlern der Galerie:
Holger Bär, Luciano Castelli, Tony Conway, Rainer Fetting, Jörn Grothkopp, Jay Mark Johnson, Lies Maculan, Sven Marquardt, Stefan Roloff, Salomé und Patricia Waller.
Holger Bär widmet sich bereits seit gut dreißig Jahren der Entwicklung computergesteuerter Malmaschinen, die digitale Vorlagen in das traditionelle Medium der Ölmalerei zurückübersetzen. Sein Interesse gilt hier sowohl dem bildschaffenden Prozess als auch der Frage, mit welchen Assoziationen und Ideologien Formensprachen und künstlerische Techniken wie Fotografie und maschinelle Automatismen besetzt sind und unser visuelles Weltbild prägen. Seine neuesten Arbeiten verstehen sich als eine Form von Neo-Pointillismus. 2008 schuf er eine Serie von Berlin-Bildern mit dem Titel Preußisch-Blau Berlin, darunter auch viele kleinformatige Bilder, die sich in der Arbeit "Berlin 13 x 18" zu einem Kaleidoskop von 234 Berlin-Ansichten zusammensetzen. 

Der Schweizer Künstler Luciano Castelli prägt ab 1978 an der Seite von Salomé und Rainer Fetting die Malerei der sogenannten Neuen Wilden. In der Folge entwickelte er neue künstlerische Ansätze in der Verbindung von Malerei, Fotografie, Film, Musik und Skulptur. Die hier gezeigten Ansichten von Berlin zeigen seinen fast kalligrafischen Stil schwarzer Pinselstriche auf weißem Grund. 

Der amerikanische Künstler Tony Conway bewegt sich im Gernzgebiet zwischen zwei- zu drei-dimensionalen Arbeiten. Seine früheren Werke verbanden abstrahierte digitale Fotografien auf mehreren übereinander gelagerten Plexiglasschichten mit Malerei und Grafitzeichnungen zu einer plastischen Gesamtwirkung. In den letzten Jahren sind seine Arbeiten freier in der Verwendung malerischer Elemente. 

Rainer Fetting ist international vor allem durch seine virtuosen Gemälde bekannt, die von neo-expressionistischem malerischen Ausdruck mit gestischem Pinselduktus geprägt sind, wie es in dem Werk "Iris" von 1990 gut zum Ausdruck kommt. Die hier gezeigten Selbstportraits auf runden Leinwänden zeugen von intensiver Selbsterkundung, das Aquarell "Alte Mauer" knüpft an Vor-Wendezeit Gemälde der Berliner Mauer an, hier geographisch versetzt an den Südstern in Kreuzberg, wo Fetting jetzt lebt. 

In den Bildern des Berliner Malers Jörn Grothkopp findet in der Übertragung von Vorlage in das Medium der Malerei eine entscheidende Metamorphose und Verdichtung statt. Konkrete Personen oder Dinge werden auf das Essenzielle reduziert und verwandeln sich so zu Chiffren und Gleichnissen, deren glatte Oberfläche geheimnisvoll bleibt. In der umfangreichen Serie Mona Lisa widmet er sich dem berühmten Gemälde, indem er es malerisch in immer neuen Variationen aufbricht und neu zusammensetzt. 

Der amerikanische Künstler Jay Mark Johnson arbeitet mit einer modifizierten Panoramakamera, die durch wiederholtes Aufnehmen desselben vertikalen Bildstreifens die traditionelle räumliche x-Achse des Bildes durch eine zeitliche ersetzt und damit unsere Sehgewohnheiten in Frage stellt. Die hier gezeigten Arbeiten entstammen der frühen Serie Taichi Motion Study, in denen er die Bewegungen einer Tänzerin festhielt. 

Lies Maculan schafft lebensgroße Fotoskulpturen, die auf verblüffende Art mit der Illusion von Dreidimensionalität spielen. Ihre Fotoskulptur eines Abschnittes der Berliner Mauer wirkt so taktil, dass man meint, die Rauheit des Betons spüren zu können, während ihre Arbeit "Dreamer" folgerichtig horizontal ausgerichtet ist. 

Sven Marquardt fotografiert seit seiner Jugend als Punker in Ost-Berlin Menschen und Situationen der sperrigen und unangepassten Gegen- und Nischenkultur Berlins. In den letzten Jahren war er viel in der Welt unterwegs und hat sein Blickfeld über Berlin hinaus erweitert, wie in den Schwarz-Weiß-Portraits australischer Surfer der Serie "Stoked". 

Stefan Roloff erkannte schon früh das künstlerische Potenzial der Computertechnik und verknüpfte es mit seiner malerischen Arbeit. Vor seinem Umzug nach New York 1983 war er in Berlin aktiv und setzte sich in mehreren Arbeiten kritisch mit dem Thema der Berliner Mauer auseinander, wie hier in der Fotoarbeit " Das Diesseits vor dem Jenseits. Bernauer Straße." 

Salomé ist sicherlich der schillernste Vertreter der Berliner Malergruppe der „Neuen Wilden“. Seine Malerei verbindet die Lust am gestischen Pinselstrich und der expressiven Farbe mit seriellen Reihen und einem konzeptuell präzisen Ansatz. Seine Seerosen-Bilder verweisen auf Monet und verwandeln das Motiv in ein schon fast abstraktes Farbenspiel gestischer Pinselstriche. 

Patricia Waller arbeitet seit Jahren konsequent an ihren subversiven Häkelobjekten. Indem sie hochbrisante Sachverhalte in heimelige Harmlosigkeit kleidet, überlistet sie tradierte Sehgewohnheiten durch die schiere Unverhältnismäßigkeit von Material und Objekt. Ihr "Tweety" von 2008 entstammt der Serie Bad Luck, in der eine ganze Reihe von beliebter Figuren aus Comics und Popkultur ein böses Ende finden.