Frauen I Malerei

3 Nov – 15 Dec 2019
Am 3. November 2019 eröffnet Jörn Grothkopp seine Ausstellung der malerischen Frauen im Kunstverein Oerlinghausen in Bielefeld.
Jörn Grothkopp steht im malerischen Zwiegespräch zwischen Fläche und Licht. Auf seinen Leinwänden und bildnerischen Serien dirigiert er nicht nur Farbschichten und Unschärfen zu flächigen Kompositionen, sondern arrangiert auch höchst kontemplativ Spuren des Lichts zu optischen und atmosphärischen Ereignissen. Die Sichtbarkeit der Dinge zeigt sich in seinen Bildern in einer balancierten Leichtigkeit, in einer eigenen Zeit.

Er wurde 1969 in Bergen auf Rügen geboren und entschied sich bereits in jungen Jahren dafür, Künstler zu sein. Dieser wichtige Lebensschritt hat etwas mit innerer Gewissheit zu tun – eine persönliche Eigenschaft, die den künstlerischen wie den Lebensweg Grothkopps bis heute prägt. Er selbst sagte dazu: „Wenn man etwas selber macht und man sich des Ergebnisses vorher noch nicht bewusst ist und es einen schließlich selber überrascht, dann ist das eine Aneignung von Zukunft und Zeit. Das gibt einem ein wenig Selbstvertrauen und Selbsteinordnung in diesem riesigen Kontext, in dem man nicht genau weiß, wo man steht. Durch das Gestalten wird man aktiv und kann damit brechen. … Es ist nicht so, dass man sich zehn Varianten überlegt und sich dann völlig zufällig für eine entscheidet, sondern man spürt, dass diese eine Variante unumgänglich ist, dass dies jetzt die richtige Entscheidung ist.“
Sozialisiert und aufgewachsen in der DDR, entschied sich der Künstler, als es freier als bisher möglich geworden war, 1992 für ein Malereistudium an der HfBK Dresden, das er 1997 abschloss. Zugleich erhielt er in diesem Jahr das Graduiertenjahresstipendium des Freistaates Sachsen und wurde – bis 1999 – Meisterschüler bei Prof. Max Uhlig (Jg. 1937), dessen expressive Kunst bereits vom 9. November 1997 bis zum 18. Januar 1998 im Kunstverein Oerlinghausen vorgestellt worden ist. 
Max Uhlig war ein Hochschullehrer, der die Fähigkeiten und Talente seiner Schülerinnen und Schüler forderte und förderte und sie nicht – wie landauf, landab durchaus üblich – zur „Übernahme“ seines Kunststils drängte. So konnte auch Jörn Grothkopp seine eigenen, selbstständigen Ausdrucksformen und Stilmittel entwickeln. Heute ist er weithin bekannt für seine vielfältigen Werkgruppen von Stillleben, Landschaften, Einzelportraits sowie für seine Bilder von Koi-Schwärmen und Menschengruppen. Er schafft eine Bildwelt, deren Kraft und Ruhe Aufmerksamkeit einfordert, da er die dargestellten Bildelemente auf ihre Grundstrukturen reduziert. Dazu kommt das Merkmal der Unschärfe und der Umstand, dass Jörn Grothkopp in vielen Bildern Formen und Farben bis fast an ihre Wahrnehmungsgrenze führt. Die Motive erscheinen wie durch einen Nebel gesehen, stets knapp außer Reichweite des sprachlich und visuell Fassbaren schwebend – so, als hätte sich ein Schleier zwischen Bild und Betrachter gelegt.​