VELVET LAND

24.10. – 27.11.2018

Unter dem Titel „Velvet Land“ zeigt die Berliner Galerie Deschler in der Art & Event Gallery "Cerna Labut" in Prag Werke von Holger Bär, Jay Mark Johnson, Jörn Grothkopp, Mariano Rinaldi Goñi und Tony Conway.

Art & Event Gallery CERNÁ LABUT
Na Porici 25, Prag I, 8th floor
Die Ausstellung präsentiert fünf verschiedene zeitgenössische Ansätze zu klassischen Themen Landschaft, Akte und Portraits, welche die zunehmende Digitalisierung unserer Erlebniswelt widerspiegeln und kritisch reflektieren. Digitale Bilder, ob auf Computerbildschirmen oder Smartphones, nehmen einen immer größeren Raum in der täglichen Wahrnehmung unserer Umgebung ein und prägen in zunehmendem Maße unsere Sehgewohnheiten und kulturell bedingten Wahrnehmungshorizonte. Zwangsläufig verändert sich damit auch unser Blick auf Landschaft/Akte/Portraits, deren Darstellung in der Kunst schon immer stark von kulturellen Konzepten geprägt war. 

Bei Holger Bärs maschinengemalten Bildern steht die computergesteuerte mechanische Produktion der Bilder im Vordergrund, wobei die in Acryl oder Öl auf Leinwand gemalten Bilder einerseits auf visuelle Techniken und Effekte der Pointillisten des späten 19. Jahrhunderts zurückverweisen – weshalb sich Bär auch als Neo-Pointillist bezeichnet – andererseits, und technisch treffender, auch unverkennbar die "Handschrift" von aus einzelnen Pixeln zusammengesetzten Bildern auf digitalen Bildschirmen erkennen lassen. Bärs sehr bewusstes Spiel mit diesen Assoziationen und Bildrastern macht seine Gemälde sowohl visuell als auch intellektuell faszinierend.

Jay Mark Johnsons beim ersten Hinsehen oftmals verwirrende digitale Fotografien entstehen nicht durch nachträgliche digitale Bearbeitung, sondern durch eine besondere Aufnahmetechnik, in der auf der horizontalen Achse eine zeitliche statt einer räumlichen Dimension aufgezeichnet wird, unseren Sehgewohnheiten entsprechend aber als räumliche erscheint. Dies führt zu surrealen Effekten in seinen Bildern, in denen vertraute Landschaften in völlig neuem Licht erscheinen. In Umkehrung des inzwischen bekannten Effekts der digitalen Manipulation von Bildern, in denen eine nicht existierende Wirklichkeit vorgetäuscht wird, wird die Wirklichkeit hier unmanipuliert abgebildet, jedoch auf eine Weise, die uns manipuliert erscheint. 

In den Gemälden von Jörn Grothkopp lässt sich eine dritte Sichtweise auf das klassische Landschaftsmotiv ausmachen. Diese liegt in einer radikalen Vereinfachung des Bildes, in dem die meisten Details entfernt und die Bildelemente auf ihre Grundstrukturen reduziert werden. Damit bringt er die komplexe Erfahrung des Sehens in eine Beziehungsstruktur, deren scheinbare Einfachheit sich beim Sehen wieder in eine komplexe Seherfahrung zurückverwandelt. 

Die Arbeiten des New Yorker Künstlers Tony Conway vereinen verschie­dene Techniken: Digi­tale Fotografien werden am Computer bearbeitet, bis sich ihre Essenz in nahezu abstrakten Formen erschließt. Auf mehreren übereinander­gelagerten Plexiglasschichten durch Malerei und Grafitzeichnungen verstärkt, verbinden sich digitale und manuelle Verfahren zu einer plastischen Gesamt­wirkung, die noch lange nachwirkt. 

Geheimnisvoll erotische Tableaus mythologischer Frauen­ge­stal­ten bestimmen den the­ma­tischen Schwerpunkt im Werk des 1972 in Buenos Aires ge­borenen Malers Mariano Rinaldi Goñi. Es entsteht ein Spannungsbogen zwischen Form­gebung und Auflösung, der seinen Werken eine starke dynamische Wirkung ver­leiht.