Tony Conway

Man on the Floor    

           

9. April – 22. Mai 2010

In seiner neuen Ausstellung Man on the Floor präsentiert Tony Conway eine Serie von Bildern, an der er während der letzten beiden Jahre intensiv gearbeitet hat. Grundlage der Mixed-Media-Bilder sind Fotografien von meist heroischen Statuen des 18. und 19. Jahrhunderts, die der Künstler über einen Zeitraum von zehn Jahren in verschiedenen Städten in ganz Europa aufgenommen hat. Die Statuen finden sich normalerweise auf zentralen öffentlichen Plätzen und stellen historisch wichtige Persönlichkeiten dar, wobei die Repräsentation politischer und militärischer Macht – Herrscher und Feldherren – die kultureller Errun­genschaften – wie z. B. Dichter und Künstler – klar überwiegt. Außer­dem handelt es sich fast ausschließlich um männliche Figuren. In ihrer sehr öffentlichen und repräsentativen Funktion verkörpern diese Statuen das historisch gewachsene Selbstverständnis sowie eine Art kollektives Gedächtnis der jeweiligen Kultur.

 

In Conways Bildern, die aus mehreren bearbeiteten Schichten von Plexi­glas aufgebaut sind, erscheinen die Figuren in stark abstrahierter Form: Der Künstler hat überflüssige Elemente in den monochromen Bildern ent­fernt und bestimmte Partien durch überlagerte Grafitzeichnungen herausgehoben. Dieser Prozess der Abstraktion löst die Figuren aus ihrem ursprünglichen zeitlichen und räumlichen Kontext heraus, sie werden allgemeingültiger, verlieren damit aber auch gleichzeitig ihre spezifische Bedeutung, werden zu heimatlosen Chiffren. Bemerkenswert ist weiterhin, dass die Figuren – im Gegensatz zu ihrer ursprünglichen strikt vertikalen Ausrichtung – in Conways Bildern horizontal erscheinen. Das heroisch Aufrechte ist einem nachgiebigen Zurücklehnen gewichen, wobei es dem Betrachter überlassen ist, dies als einen Sturz von Idolen zu lesen, als einen Neubeginn, oder als ein subversives Spiel mit ge­schlechtsspezifischen und anderen kulturellen Klischees – wie jenes, welches den Held als männlich und aufrecht sieht und die Frau als lie­gend und empfangend. Conways neue, verfremdete Sichtweise auf die Skulpturen hinterfragt geschichtlichen Pathos, kulturell geprägte Rollen und Muster  sowie die Strukturen und Mechanismen unseres kollektiven Gedächtnisses.