Impermanence

mit Werken von Tony Conway, Rainer Fetting, Jay Mark Johnson, Karl Kunz, Lies Maculan, Deborah Sengl und Yukiko Terada

Thema der Ausstellung „Impermanence“, wörtlich „Vergänglichkeit“, ist – im Sinne von Vanitas – insbesondere die Vergänglichkeit menschlichen Le­bens und Strebens. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zwei junge öster­reichische Künstlerinnen, Lies Maculan und Deborah Sengl. Lies Maculans raumumfassende Installation „Vergänglichkeit“ verwandelt das Kellerge­wöl­be der Galerie Deschler in eine Gru­ft, ein Mausoleum oder eine Begräbnis­stätte. Die großformatigen, auf Alu-Dibond aufgezogenen Foto­grafien von Grabsteinen, Sarkophagen und anderen symbolträchti­gen Ob­jekten errei­chen durch ihre Form, die den Konturen der abgebil­deten Ob­jekte folgt, und den Wegfall jeglichen Hintergrunds eine ein­drucks­volle drei­dimensionale Wirkung, welche sie in die Nähe von Skulp­turen rückt. Maculans Arbeiten setzen sich mit der Art und Weise auseinander, wie sich der Umgang der Gesellschaft mit Sterblichkeit in künstlerischen oder kunsthandwerklichen rituellen Objekten des Toten­kultes ausdrückt. Im Vordergrund steht dabei auch insbesondere, wie sich diese Kultur in den letzten Jahrzehnten ver­än­dert hat. Das Sterben ist institutionalisiert, die Zuständigkeit dafür Kranken­häu­sern und Hospi­zen übertragen worden, kaum noch jemand stirbt zu­hause im Kreise der Angehörigen. Wo Erfolg, Gesundheit und ewige Ju­gend angebetet wer­den, schwindet der Tod mehr und mehr aus der Alltags­kultur, eine ver­tiefte und existenzielle Auseinandersetzung mit dem Thema findet kaum mehr statt. Deborah Sengls Arbeit „Die letzten Tage der Mensch­heit“ inszeniert Szenen aus dem gleichnamigen berühmten Stück des österreichischen Schriftstellers Karl Kraus (1874-1936) mit ausge­stopf­ten Ratten. Mit dem hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des ersten Welt­krieges, aus dessen Anlass Kraus seine Tragödie verfasst hatte, und vor dem Hintergrund gegenwärtiger Kriege gewinnt ihre Arbeit besondere Aktualität.

 

Diese beiden Werkgruppen werden durch ausgewählte Arbeiten anderer Künstler ergänzt, die sich dem Thema auf ihre jeweils ganz eigene Weise nähern. Jay Mark Johnsons experimentelle Fotoarbeiten bilden den Fluss der Zeit räumlich ab, indem sie die horizontale Achse als zeitliche Achse ein­setzen und auf diese Weise in einem Bild, wenn auch in relativ abstrakter Form, einen zeitlichen Verlauf erfassen.  Tony Conways Serie „Man on the Floor“ beschäftigt sich mit gestürzten Monumentalskulpturen als Ausdruck historisierender Repräsentation und dem geschichtlichen Wandel, dem auch diese unweigerlich unterworfen ist. Yukiko Teradas subtile Arbeiten, in denen aus Ausschnitten einer Form neue Formen und Gegenstände ent­stehen, werden bei all ihrer zeitgenössischen Herangehensweise auch von einer reichen japanischen Tradition gespeist, in der das Thema Vergäng­lich­keit immer eine große Rolle gespielt hat.


                                                                                                                                                                                 

Impermanence

with works by Tony Conway, Rainer Fetting, Jay Mark Johnson, Karl Kunz, Lies Maculan, Deborah Sengl and Yukiko Terada

The theme of the exhibition „Impermanence“ is—in the sense of “vani­tas”—particularly the transience of human life and all its endeavors and efforts. The focus of the exhibition is on two young Austrian artists, Lies Maculan and Deborah Sengl. Lies Maculan’s space-filling installation “Impermanen­ce” transforms the basement of the gallery into a tomb, a mausoleum. The large-scale photographs, mounted on aluminum panels, of tomb stones, sarcophagi and other symbolic objects create an almost sculp­tural impression by following the outlines of the depicted objects and omitting any kind of background. Maculan’s works examine how society expresses the way it deals with human mortality in the arts and crafts of ritual objects of the death cult. They also raise the question how this culture has been transformed in the last decades. Dying has become institutionalized, become the responsibility of hospitals, these days hard­ly anybody passes away in the circle of his family. In a culture that idolizes success, health and eternal youth, death has become al­most shameful, disappearing from everyday culture, precluding a thought­ful and existential reflection on the topic. Deborah Sengl’s work “The Last Days of Mankind” stages scenes from the famous play of that title by the Austrian writer Karl Kraus (1874-1936), using taxidermied rats as figures in the play. With this year’s hundredth anniversary of the outbreak of the First World War—Kraus’ tragedy was written as a reflect­ion on the war—and the background of current wars, this work assumes a disturbing timeliness.

 

These two series are supplemented by selected works by other artists that approach the topic in their very own manner. Jay Mark Johnson’s experimental photo works literally depict the flow of time in a spatial di­mension by dedicating the vertical axis of the image to the passage of time, thus capturing an actual temporal progression as it unfolds. Tony Conway’s series “Man on the Floor” depicts tumbled-down monumental statues as an expression of historicizing representation and the changes that even this is subject to. Yukiko Terada’s subtle works that often cre­ate new forms and objects out of segments of another form are, with all their contemporary approach, also informed by a rich Japanese tradition where the topic of transience and impermanence always played an im­portant role.