KARL KUNZ – Die 1960er Jahre    

27. März - 7. Juni 2014

KARL KUNZ (1905–1971) ist ein herausragender Einzelgänger der mo­der­nen Kunst des 20. Jahrhunderts. Mit der Ausstellung „Karl Kunz – die 60er Jahre“, die parallel zur großen Retrospektive „Karl Kunz“ im Von der Heydt-Museum in Wuppertal gezeigt wird, will die Galerie Deschler zur Wiederentdeckung eines Künstlers beitragen, dessen umfangreiches Werk sich durch besondere Origi­na­lität und große Fantasie auszeichnet. Während das Von der Heydt-Museum einen Schwerpunkt auf die Arbei­ten aus der Zeit des „Dritten Reichs“ legt, in der Karl Kunz als „entartet“ verfemt wurde, und der Zeit des Neuanfangs nach 1945, zeigt die Gale­rie Deschler großflächige Gemälde aus den 1960er Jahren, dem letzten Lebensjahrzehnt dieses ungewöhnlichen Künstlers.

 

Karl Kunz’ Schaffen ist nicht ohne weiteres zu kategorisieren. Sein Frühwerk aus den 1920er und 30er Jahren ist geprägt von den avantgardistischen Strö­mun­gen der Zeit, vor allem Kubismus und Surrealismus. 1933 wird Kunz jedoch von den Nationalsozialisten wegen „Judenbegünstigung“ diffamiert, als „entar­te­ter Künstler“ eingestuft und mit einem Malverbot belegt. Kunz geht in die innere Emigration und arbeitet trotz des Verbo­tes auch noch während des Krieges heim­lich weiter an seiner Kunst. Der Bombenangriff auf Augsburg im Februar 1944, bei dem das Haus seiner Eltern getroffen wird, zerstört jedoch fast sein gesamtes Frühwerk.

 

Nach Kriegsende ist der Neuanfang von Kunz von den erschüt­tern­den Erlebnis­sen des Krieges geprägt. In der allgemeinen Aufbruchsstimmung feiert Kunz in den nächsten Jahren seine größten öffentlichen Er­folge als Künstler. Im Laufe der 50er Jahre wird er jedoch durch die vom kalten Krieg ideologisch inspi­rier­te Bevorzugung von reiner Ab­strak­tion in der Malerei – europäischem Infor­mel und Tachismus sowie amerikanischem abstrakten Expressionismus – er­neut an den Rand und in eine Außenseiterposition gedrängt. In seiner eigenwilligen Spiel­art des Surrealismus hält Kunz trotzdem weiterhin kompromisslos an der Figuration fest, vermischt diese in seinen Bildern aber auch mit abstrak­ten Ele­menten. Wichtiger als stilistische Fragen war für Kunz die innere Hal­tung, sein tieferer Blick auf die Wirklichkeit und die Ent­deckun­gen des Unbewussten. Die Ansammlung und Vermengung der vielen fan­tastischen Elemente erscheint in seinen Bildern aber immer geistig ver­arbeitet und durch strenge Komposition gebändigt: Expressionismus und Konstruktivismus halten sich die Waage.

 

In den 1960er Jahren erreicht die Entwicklung einer eigenen, sehr per­sön­lichen und ausgereiften Formensprache ihren Höhepunkt. Nach wie vor sind Kunz’ Bil­der stark surrealistisch geprägt, er greift nun aber auch Stilmerkmale der Pop Art auf, etwa im Einbezug von Elementen der Werbung und der Massenmedien durch Collagen. 

Zur Ausstellung im Von der Heydt-Museum Wuppertal ist ein monografischer Katalog er­schienen: Antje Birthälmer und Gerhard Finckh (Hg.), KARL KUNZ. Mit einem Text von Karin Thomas. Wuppertal: Von der Heydt-Museum, 2014.    


                                                                                                                                         

KARL KUNZ – The 1960s    

27 March – 7 June, 2014

KARL KUNZ (1905–1971) is a remarkable odd man out in 20th-century modern art. With the exhibition “Karl Kunz – the 1960s”, to be shown concurrently with the large retrospective “Karl Kunz” at the Von der Heydt-Museum in Wuppertal, the Galerie Deschler intends to contribute to the rediscovery of an artist whose extensive oeuvre is characterized by particular originality and profound imagina­tion. While the Von der Heydt-Museum will focus on works from the period of the "Third Reich"-when Karl Kunz was ostracized as "degenerate"-and the new beginning after 1945, the Galerie Deschler will present large-scale works from the 1960s, the last decade in the life of this extraordinary artist.

It is not at all easy to categorize Kunz’ work as an artist. His early work from the 1920s and 30s was strongly influenced by the avant-garde movements of the time, above all Cubism and Surrealism. In 1933 Kunz was denigrated by the Nazis for “favoring jews” and for creating “degenerate art,” and was prohibited from painting. Kunz went into inward emigration and continued working on his art in secret all throughout the war. The bombing raid of Augsburg in February 1944, however, also hit the house of his parents and destroyed almost his entire early output.

 

After the end of the war Kunz’ new beginning was deeply informed by the har­row­ing experiences of the Second World War. In the spirit of a fresh start Kunz received the greatest recognition in his career as an artist in the following years. With the developing Cold War during the 1950s, however, the ideologically in­spired favoring of abstraction over figuration in painting—European Informel and Tachism as well as American Abstract Expressionism—again pushed him to the sidelines of the art scene. In his idiosyncratic variant of Surrealism Kunz uncompromisingly adhered to the principle of figuration, though in his painting he also mixed it with abstract elements. More important for Kunz than stylistic questions, however, was an inner attitude, his profound view of reality, and the discovery of the subconscious. The accumulation and mixing of a multitude of fantastical elements in his paintings was always mentally processed and tem­per­ed by rigorous composition: expressiveness and constructivism were always in balance.

 

In the 1960s, his last creative decade, the development of a very personal and mature formal vocabulary reached its zenith. Kunz’ paintings remained in es­sence surrealist, but he now also included stylistic elements of Pop Art, such as collaged excerpts from advertising and the mass media, and continued the pro­cess of merging figuration and abstraction.

 

The exhibition at the Von der Heydt-Museum Wuppertal is accompanied by a monographic catalogue: Antje Birthälmer und Gerhard Finckh (Ed.), KARL KUNZ. With a text by Karin Thomas. Wuppertal: Von der Heydt-Museum, 2014.