Reveal the Invisible:
LIU BOLIN präsentiert von Ruinart im Dialog mit Holger Bär und Deborah Sengl

In der Ausstellung mit Arbeiten von Liu Bolin, Holger Bär und Deborah Sengl geht es um Tarnung und Verschlüsselung, wobei sich diese drei Künstler jeweils auf eine sehr eigene und originelle Weise dem Thema annähern. Bei Liu Bolin verschwindet der Künstler alleine oder mit anderen Figuren visuell vor einem Hintergrund, indem er so bemalt wird, dass er nahtlos mit diesem verschmilzt und oft nur noch bei wirklich genauerem Hinsehen ausgemacht werden kann. In seinem jüngsten Kunst- Projekt geht es um Bilder, die Liu während eines Aufenthaltes in Reims im August 2017 speziell für Ruinart konzipiert hat. Holger Bärs maschinengemalte Bilder übersetzen Zahlenreihen in Farben, wobei bestimmten Zahlen bestimmte Farben zugeordnet werden. Dabei entstehen völlig abstrakte Bilder, deren zugrunde­liegende Logik nicht mehr unmittelbar ersichtlich ist. Deborah Sengls Skulpturen der Serie "Ertarnungen" basieren auf der Kombination verschiedener Tierpräparate, wobei sich ein Raubtier als sein jeweiliges Beutetier tarnt, um sich diesem unerkannt nähern zu können.

In allen drei Fällen geht es darum, was sichtbar ist und was sich unter dieser visuellen Oberfläche verbirgt und damit letztendlich um das tiefere Thema Bedeutungsfindung, nämlich um Täuschung und Wahrheit. Irreführung ist eine grundlegende Strategie im Überlebenskampf der Natur, und zwar sowohl für Raub- als auch Beutetiere, die aber auch in der menschlichen Kriegsführung schon immer eine wichtige Rolle gespielt hat. Während Methoden zur Täuschung des Gegners schon in Klassikern wie Sun-Tsus "Kunst des Krieges" besprochen werden, sind die farbenfrohen Uniformen der Armeen erst vor gut hundert Jahren – während des ersten Weltkriegs – aus Notwendigkeit tarnfarbenen Uniformen gewichen. Covert operations sowie Kommandoaktionen in Uniformen des Gegners oder unmarkierten Uniformen (jüngstes Beispiel: die Milizen bei der Übernahme der Krim-Halbinsel durch Russland) sind heute Standard bei militärischen Operationen. Die entscheidende Rolle von Verschlüsselung bzw. Entschlüsselung – ob deutsche Enigma-Maschine im 2. Weltkrieg oder zeitgenössischer Cyberwarfare – bei der Täuschung und Überlistung des Gegners ist hinreichend bekannt. Hinter all diesem Verbergen oder Aufspüren von Information liegt aber das grundlegende epistemologische Problem der Wahrheitsfindung: wie unterscheiden wir Wahrheit von Täuschung bzw. Illusion, oberflächlichen Schein von essenziellem Sein? In den Arbeiten von Liu Bolin, Holger Bär und Deborah Sengl wird diese Frage thematisiert – Antworten darauf müssen wir selber finden.

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Revealing the Invisible:
LIU BOLIN presented by Ruinart in Dialogue with Holger Bär and Deborah Sengl

The exhibition with works by Liu Bolin, Holger Bär and Deborah Sengl is dedicated to the themes of camouflage and encryption, with each one of these artists approaching the topic in a very unique and original manner. In the case of Lui Bolin the artist—alone or with other figures—vanishes visually into the background by being painted in such a way that he seamlessly merges with it and can frequently only be made out upon closer inspection. His latest project are a series of images created during his stay in Rheims, France, in August 2017 and conceived specifically for Ruinart. Holger Bär's machine-painted images translate strings of numbers into colors, assigning certain colors to numbers. This results in completely abstract images whose underlying logic is no longer immediately apparent. Deborah Sengl's sculptures of the series "Ertarnungen" are based on the combination of different animal preparations, specifically the predator camouflaging himself as its sought-after prey, in order to be able to approach it undetected.

All of these strategies of concealing and revealing information are informed by the basic epistemological problem of the search for truth: how do we distinguish fact from fiction or illusion, superficial appearances from essential being? The works of Liu Bolin, Holger Bär and Deborah Sengl all address this question—the answers are for us to find.